Bio-Pionier seit 50 Jahren

Bernadette Weiling-Erning über die Anfänge, Herausforderungen und Vorurteile.

Der Name Weiling ist in Deutschland mit Bio-Produkten verbunden wie kein anderer. Die Firma feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Bernadette Weiling-Erning, Gesellschafterin und Tochter von Gründer Bernd Weiling, blickt im Interview mit AZ-Redakteurin Jule Müller zurück auf die Anfänge auf 16 Quadratmetern bis hin zum zweitgrößten Bio-Großhändler Deutschlands.

Das Zitat von Bernd Weiling „Wir wollen dazu beitragen, unseren Kindern und Kindeskindern eine lebenswerte Welt zu übergeben“ ist Grundlage für die Weiling-Idee und gedanklich in den Grundstein gemeißelt. Beim 50-jährigen Jubiläum trafen sich Gesellschafter und Geschäftsführung vor dem Zitat von Bernd Weiling (v.l.n.r.): Bernadette Weiling-Erning, Geschäftsführer Dr. Peter Meyer, Cornelia Weiling, Thomas Weiling, Andrea Muffert (geb. Weiling)

Von Anfang an ein echtes Familienunternehmen (v.l.n.r.): Cornelia Weiling, Bernadette Weiling-Erning, Thomas Weiling, Andrea Muffert (geb. Weiling), Geschäftsführer Dr. Peter Meyer.

Begonnen 1975 mit einem Bioladen auf 16 m2 umfasst der Bio-Großhandel Weiling am Standort in Coesfeld heute 33.000 m2.

Das Foto aus dem Jahr 1982 zeigt Bernd Weiling an seinem Schreibtisch im Bio-Haus.

Sie feiern dieses Jahr 50 Jahre Weiling. Wie fühlt sich das an?

Bernadette Weiling-Erning: Manchmal noch gar nicht so lange wie 50 Jahre. Und ich freue mich sehr darüber, dass wir als Bio-Pioniere dafür gesorgt haben, dass Bio mittlerweile einen so großen Stellenwert in der Gesellschaft einnimmt.

Zurück zu den Anfängen: Wie fing alles an?
Weiling-Erning: Meine Eltern sind durch eigene Krankheiten, aber auch durch meine Geburt auf die Vollwerternährung gekommen, die damals gerade aufkam. Vollwert bedeutet volles Getreide, keinen Zucker und hochwertige Lebensmittel. So haben sie ihre eigene Ernährung zunächst umgestellt. Und daraus ergab sich dann irgendwann der Gedanke, ein Geschäft zu machen. Das steigerte sich sukzessive. Erst gab es einen Einzelhandel, daraus hat sich dann der Bio-Großhandel entwickelt, heute unser Hauptgeschäft. Aus den 16 Quadratmetern von 1975 ist heute der zweitgrößte Bio-Großhandel Deutschlands mit 650 Mitarbeitenden an zwei Standorten und 267 Mio. Umsatz (2024) entstanden.

Sie sind in der Firma aufgewachsen. An welche Momente aus den 50 Jahren erinnern Sie sich besonders gerne?
Weiling-Erning: Wenn ich in den Laden reinkam, war da immer dieser Duft, das fand ich toll. Ich habe immer gerne im Laden gearbeitet, habe schon mein Taschengeld hier verdient. Und was mir einfach super viel Spaß macht, ist der tägliche Kontakt mit Menschen und, dass ich viele Kunden tatsächlich schon seit 50 Jahren kenne. Das fühlt sich schon fast an wie Familie. Natürlich gab es besondere Meilensteine wie 1979 unser Bau des ersten baubiologischen Gebäudes in Europa, 2002 die Einführung bioladen*, 2010 die Expansion mit unserem neuen Standort in Lonsee bei Ulm oder 2021 die Inbetriebnahme der eigenen Bio-Gastankstelle.

Apropos Familie, Sie sind ein Familienunternehmen. Wer ist alles dabei?
Weiling-Erning:
Mein Vater ist noch voll aktiv mit seinen 86 Jahren. Er arbeitet von Münster aus und ist bei allen wichtigen Besprechungen mit dabei. Mit ihm gemeinsam sind wir Geschwister alle Gesellschafter und unterstützen aktiv die Geschäftsführung und Führungskräfte bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Dem zu Gute kommt, dass wir alle unsere Erfahrungen aus einem anderen beruflichen Hintergrund mit einbringen.

Was waren die größten Herausforderungen in den letzten 50 Jahren?
Weiling-Erning:
Eine große Herausforderung ist es, den 650 Mitarbeitern immer noch das Gefühl eines Familienunternehmens zu geben. Vor allem, da wir zwei Standorte haben. Das hat gerade in Corona-Zeiten ein bisschen gelitten. Und natürlich eine Logistik aufzubauen, die jeden Tag 1200 Kunden beliefert. Dabei müssen wir immer den Umweltgedanken im Blick haben. Dafür haben einen eigenen Nachhaltigkeitsmanager. Es ist uns sehr wichtig, dass wir nachhaltig aktiv sind.

Bemerken Sie durch steigende Kosten Schwankungen in den Kundenzahlen?
Weiling-Erning
: Einige Kunden sind sicherlich preisbewusster geworden. Aber ich glaube, dass es immer mehr Menschen gibt, die unsere besondere Bio-Qualität und ganzheitliche Wirtschaftsweise zu schätzen wissen.

Wie hat sich das Bewusstsein für Bioprodukte in den letzten Jahren verändert?
Weiling-Erning:
Ich finde, es ist deutlich mehr geworden. Zu meiner Schulzeit wurden wir Kinder belächelt. Mittlerweile ist Bio cool. Da hat sich viel verändert. Heute beschäftigen sich Leute wirklich damit und haben verstanden, dass Bio einfach gesunde, vielfältige Ernährung ist. Besonders schön ist es, zu merken, dass sich auch junge Menschen damit beschäftigen und durchaus bereit sind, Geld dafür auszugeben.

Was macht Weiling für Sie aus?
Weiling-Erning: Eine totale Konsequenz, was die Qualität betrifft. Dann natürlich das Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen. Wir sind da sehr stark auf einer Augenhöhe unterwegs und wir als Familie wissen ganz genau, dass wir ohne unsere Mitarbeitenden kein Unternehmen führen könnten. Ich sage immer, Weiling ist für mich mein drittes Kind. Zu Weiling gehören natürlich auch unsere treuen Kunden, die tollen Bio-Fachhändler, und unsere langjährigen Lieferanten. 

Was wünschen Sie sich für die nächsten 50 Jahre?
Weiling-Erning:
Wünsche gehen in Erfüllung, wenn man weiß was man will und alles dafür tut. Wir tun alles dafür, dass das Unternehmen seinen Innovationscharakter und Pioniergeist behält, weiterhin auf wirtschaftlich sicheren Füßen steht und als Familienunternehmen im Biofachhandel verankert bleibt. Außerdem wünsche ich mir, dass die Mitarbeiter, die noch jung dabei sind, möglichst alt bei uns werden und mit uns in Rente gehen. Einige sind mittlerweile schon 40 Jahre bei uns. Das macht uns natürlich zufrieden und persönlich auch glücklich.

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